2 Dez 2007
Parc Olympique und Oratoire Saint-Joseph du Mont-Royal
So nachdem ich in der letzten Woche irgendwie nicht dazugekommen bin zu schreiben, gibt es heute mal wieder einen ausführlicheren Bericht und natürlich für alle, die lieber schauen, als lesen, auch ein paar neue Fotos…
Am Montag und Dienstag habe ich recht lang gearbeitet, deswegen gibts von denen beiden Tagen nichts viel zu berichten. Am Dienstag hatten wir morgens unser Telefonmeeting mit den Kollegen aus Walldorf mittags stand dann ein Meeting mit der gesamten Abteilung an. Es war ganz interessant nochmal alle genauer kennzulernen und zu erfahren was sie genau machen. Außerdem gab es einen extrem interessanten Vortrag über aspektorientiertes Programmieren, einen Ansatz, den ich ganz sinnvoll finde, mal sehen was sich daraus in den nächsten Jahren entwickelt.
Der Mittwoch war eigentlich auch nur ein normaler Arbeitstag, wobei abends dann das erste Mal Wäsche waschen anstand… Dies führte zu 2 Problemstellungen:
1. Ich habe davor noch nie Waschmaschine oder Trockner bedient *gg*, was sich aber als kleineres Problem herauszustellen schien, da ich ja von daheim beste Tipps zum waschen bekommen hatte. Vielmehr stellte sich heraus, dass die hier ein komplett anderes Waschmaschinen- und Trocknersystem haben. Man kann weder die Temperatur- noch die Schleuderzahl direkt einstellen. Bei der Temperatur gibt es drei Stufen: Kalt – Medium – Warm und dazu einige Auswahlmöglichkeiten, was die Waschdauer betrifft. Ebenso beim Trockner drei Wärmestufen, dafür mehrere auswählbare Trockenzeiten. Ich entschied mich beides mal für Mittel und ebenfalls mittlere Wasch- und Trockenzeiten und bisher haben es alle meine Klamotten ohne weitere Schäden überstanden
. Anschließend habe ich dann noch 2 lose Knöpfe an meinem Sacko neu angenäht (auch zum ersten Mal
) und mich dann als der Trockner endlich fertig war, schlafen gelegt….
Am Donnerstag stand mittags ein erster Review des Testprogrammes, an dem ich gerade schreibe, auf der Tagesordnung, wo mir Daniel und Weiling hilfreiche Tipps für einen besseren Programmierstil gaben. Ich denke ich werde hier noch einiges in Sachen Java dazulernen. Abends gings dann mit Daniel und 2 anderen Kollegen zum Tonkinesen essen (Tonkin liegt im nördlichen Teil Vietnams). Nach Meinung der Kollegen gibt es dort die beste “Tonkinesensuppe” der Stadt. Und für 6,50 Can$ wird einem dort neben Tee ein Riesentopf Suppe angeboten. Die Suppe besteht aus einer klaren Brühe mit hauchdünnen Rinderfleischscheiben, einigen Kräutern und Gewürzen und Nudeln. Es war auf jeden Fall sehr lecker und ich habe das erste Mal (schonwieder….) mit Stäbchen gegessen. Es war ein schöner Abend, der mit einem kurzen Spaziergang zur Metro endete
.
Am Freitag war eigentlich ein normaler Arbeitstag, mittags hatten wir Teammeeting, vorerst das letzte Mal zu dritt, weil sich Weiling am Samstag nach Deutschland verabschiedet hat. Generell ist Deutschland in aller Munde, da fast alle deutschen Kollegen über Weihnachten in die Heimat fliegen.
Gestern habe ich mich dann aufgemacht der sportlichen Vergangeheit Montréals etwas auf die Schliche zu kommen. Ich habe den Parc Olympique bzw. das Olympiastadion besucht. Ein futuristisch anmutendes Bauwerk, das erst nach den olympischen Spielen fertiggestellt wurde und indem, wie ich auf der Führung erfahren habe keine Sportereignisse mehr stattfinden. Zuletzt fand 2004 ein Baseballspiel statt, aber die Mannschaft wurde vom Besitzer nach Washington verlegt. Seitdem finden hauptsächlich noch Messen und alljährlich ein Stock-Car und ein Moto-Crossereignis statt. Die meisten anderen Veranstaltungen (Sport und Auftritte von Künstlern) finden hauptsächlich im Heimstadion der Montréal Canadiens (dem lokalen NHL-Team und 24-fachen Gewinner des Stanley-Cups) statt. Nur selten kommt noch einer der Stars ins Olympiastadion. Das damals futuristische Dach aus Kevlarfasern, lies sich bis 1997 über eine Stahlseilkonstruktion hochziehen und dann zusammenfalten (es wurde übrigens zum Großteil in Deutschland geplant und hergestellt). Es wurde dann aufgrund von Schäden, während eines Großumbaus, durch ein starres Dach ersetzt.
Anschließend gings rauf auf den Turm des Stadions. Mit einer Seilbahn fährt man an der Rückseite des Turms hoch zur Aussichtsplattform. Schon auf der Fahrt hat man einen herrlichen Ausblick über die Stadt und weite Teile des Umlandes, von der Platform aus ist der Blick einfach unglaublich… vorallem kurz vor Sonnenuntergang bei einem absolut klaren Tag
Um euch selbst einen Eindruck schaffen zu können schaut doch einfach in die Galerie.
Heute gings dann nach einem Telefonat mit der Heimat, in Richtung stadtauswärts…. aber nur eine Station. Dort bin ich dann umgestiegen um zur Rückseite des Mont-Royal zu kommen. Dort befindet sich das Oratoire Saint-Joseph du Mont-Royal. Es ist die riesige Kuppel, die auch auf einigen meiner letzten Bilder vom Mont-Royal zu sehen ist.
Als ich aus der Metro ausgestiegen bin, sah ich schon hinter den Häusern die Kuppel der Basilika. Als ich dann davor stand war es beeindruckend. Ein Bauwerk von solch riesigen Ausmaßen. Allein der erste Eindruck von außen war enorm . Ich stand davor und kam mir verdammt klein vor. Ich bin dann durch einen der offenen Eingänge (wegen des Schnees und Eises sind einige Treppen und damit auch Türen verschlossen gewesen. Dort bin ich dann im alten Kirche der “Crypte” gelandet. Da dort kurz darauf ein Gottesdienst anfing bin ich dann gleich weiter gegangen (es ist ein katholisches Bauwerk und der Gottesdienst war auf französisch….). Über einige Rolltreppen (!!!) kam ich dann in die Basilique, die weitaus größere der beiden “Kirchen”. Und diese macht das Gebäude noch viel beeindruckender… Ich stand da und war wirklich überwältig. Die Basilika ist im Gegenatz zu vielen anderen Kirchen wenig geschmückt und trotzdem a) wundershcön und b) absolut beeindruckend. Und ich persönlich finde sie wesentlich beeindruckender als die Basilika St.Peter in Rom (ja, ich war schon dort drin
). Es ist einfach fantastisch, wunderschön, schlicht und trotzdem ansprechend und vorallem absolut ruhig, eine Angestellte meinte, dass viel herkommen weil die Basilika “quiet and peaceful” ist. Und ich denke das trifft es auf den Punkt. Aus dem kurzen Besuch wurde ein Aufenthalt von über einer Stunde, das Gebäude war einfach beeindruckend und die Ruhe tat extrem gut. Bis auf einige Touristen die mit Blitz fotografierten, einigen Kindern die durch die Gänge trampelten und einer Besucherin die meinte, sie müsse mit ihrem Handy telefonieren war es echt absolut still und echt angenehm. Und an alle Touristen, die meinen in einer Kirche mit Blitz fotografieren zu müssen: Meist sind die Gebäude so groß das entweder a) der Blitz nicht wirkt oder b) das Licht heller ist als der Blitz (da er sich auf den Raum verteilt). Von daher werden die Bilder meist nichts. Alle Bilder die ich in Kirchen mache sind generell ohne Blitz, dafür meistens lang belichtet um sie möglichst hell und klar (ohne grobe Pixel bei hohen ISO-Werten) zu bekommen. Mit Handykameras kann man die Bilder sowieso vergessen und die meisten normalen Kameras kommen, im Automatikmodus, mit dem Licht auch nicht klar (mit Ausnahme der neuen Fujis vielleicht). Außerdem stört fotografieren mit Blitz die Leute, die dort Ruhe finden möchten.
Trotzdem war dieser Besuch unvergesslich und falls ich gegen Ende meines Aufenthaltes hier nocheinmal die Zeit finde werde ich glaube ich nochmal in die Basilika gehen.
Auf dem Heimweg habe ich mir dann ein schönes Baguette gekauft und dieses dann, weil es einfach zu gut war, gleich aufgegessen
. Außerdem bin ich noch am marché Jean-Talon, einer riesigen Markthalle, vorbei. Dort habe ich dann irgendwo naturtrüben Apfelsaft gesehen und gleich 4 l für 5 Can$ erstanden. Was ein echt super Preis ist, da der Saft a) nicht behandelt ist und ich b) für meine 2 l Tüten Orangensaft im Angebot 3 Can$ zahle…. Außerdem ist der Saft sooooo lecker und schmeckt noch wirklich nach Äpfeln
Da ich dann das leckerere Baguette gegessen habe, habe ich meinen geplanten Besuch beim Italiener um die Ecke auf nächste Woche verschoben und daheim noch 3 überbackene Toasts gegessen.
Und zum Schluss möchte ich jetzt nochmal meiner Familie danken, die mich mit leckeren Weichnachtsplätzchen (die inzwischen alle aufgegessen sind
) und einem tollen Adventskalender versorgt haben
So das wars für heute, viele Grüße aus dem momentan doch etwas kälteren (-13°C) Kanada,
Florian
P.S.: Nein die -13°C sind nicht so schlimm, wie sie sich anhören, außerdem hab ich noch die Möglichkeit 1-2 Schichten draufzulegen.

